EZB-Zinssitzung

Kommentar zur EZB-Zinssitzung vom 26. Oktober 2017

Anleihenkaufprogramm verlängert, Zinserhöhungserwartungen zurückgedrängt

Die EZB hat im Rahmen des Oktober-Meetings wie erwartet einen Beschluss über die Zukunft des Anleihenkaufprogramms vorgelegt. Die Wertpapierkäufe werden fortgesetzt, und zwar um mindestens neun Monate bis September 2018. Wichtig dabei ist die Tatsache, dass kein fixes Enddatum beschlossen wurde (laut Draghi mit überwiegender Mehrheit). Die Aussage des EZB-Präsidenten, wonach die Käufe nach September nicht abrupt enden werden, schürt die Erwartung, dass QE mit nochmal reduziertem Volumen neuerlich verlängert wird. Dies ist insofern von Bedeutung, als die EZB den ersten Zinserhöhungsschritt erst mit  wahrscheinlich recht deutlichem Abstand zum QE-Ende setzen wird (was auch in der Oktober-Pressekonferenz hervorgestrichen wurde). Je länger also das QE läuft, umso später wird die EZB die Zinswende beginnen. Der Markt hat seine Zinserhöhungserwartungen umgehend reduziert: Die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB im Dezember 2018 eine erste Leitzinsanhebung durchführen wird, fiel nach dem Oktober-Meeting auf unter 30%. Nach Draghis Rede in Sintra im Juni, die vom Markt als Signal für einen baldigen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik verstanden worden war, hatte die Wahrscheinlichkeit 90% betragen.

Weiters wurde eine Halbierung des monatlichen Kaufvolumens von 60 auf 30 Mrd. Euro ab 2018 sowie ein Reinvestieren der Fälligkeiten für einen „längeren Zeitraum“ nach dem QE-Ende beschlossen.

Neben der unveränderten Forward Guidance (die Leitzinsen werden auch nach dem QE-Ende noch lange auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben) bleibt auch die Handlungsbereitschaft der EZB unverändert: Falls sich die wirtschaftliche Situation verschlechtert oder es zu Verwerfungen an den Märkten kommt, kann das monatliche Volumen des Kaufprogramms erhöht oder das Programm zeitlich verlängert werden.

Fazit:

In Summe sandte der EZB-Präsident damit eine „dovishe“ Botschaft – da half es auch nicht, dass die Wirtschaftsaussichten positiv beurteilt wurden. Die Inflation ist und bleibt das Sorgenkind. Die Inflationsraten werden aufgrund von negativen Energie-Basiseffekten zum Jahresende hin wieder nachgeben, der Preisdruck bleibt also gering. Um die Inflationsrate nachhaltig auf EZB-Zielniveau zu bringen ist nach Ansicht der EZB eine anhaltend expansive Ausrichtung der Geldpolitik weiter angebracht.

Marktreaktion:

Die Botschaft wurde verstanden - neben veränderten Zinserhöhungserwartungen (siehe oben) kam auch der Euro unter Druck: EUR/USD hatte vor der EZB-Pressekonferenz am 26.10. noch über der 1,18 gehandelt. Einen Tag später fiel der Wechselkurs auf ein 3-Monats-Tief von 1,1575, am Montag danach (Stand 30.10., 11.30 Uhr) steht das Währungspaar bei 1,1632. Allerdings beeinflussen derzeit die Spekulationen über den nächsten Fed-Präsidenten den USD stark - eine Entscheidung darüber soll Anfang November bekanntgegeben werden.

EZB-Bilanz

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