Interview Dr. Kraft Kinz

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Herr Dr. Kraft-Kinz, warum bietet Raiffeisen in Wien gezielt Beratung und Service für Kunden mit türkischer, serbischer, bosnischer oder kroatischer Muttersprache an?
 
Über 40 Prozent der Wienerinnen und Wiener haben Migrationshintergrund. Das ist eine Realität in dieser Stadt. Ich habe mich in den vergangenen zwei Jahren intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt. Eine Frucht ist der Verein „Wirtschaft für Integration“, den ich mit meinem Freund Ali Rahimi ins Leben gerufen habe. Eine andere Frucht ist unser Angebot als Bank an Kunden aus zugewanderten Familien. Denn: Wien ist eine wunderbare Stadt, eine Stadt die immer durch Vielfalt gewonnen hat. Es ist gut, dass es diese Vielfalt gibt – nur diese Vielfalt muss auch miteinander gestaltet werden. Und dazu gehört auch ganz selbstverständlich, dass wir als Bank mit einer großen österreichischen Tradition offen sind für neue Österreicherinnen und Österreicher.
 
Welche Bedeutung hat nun die Beratung in Türkisch, Serbisch oder einer anderen Sprache?
 
Es geht weniger um Deutsch oder Türkisch, es geht um die Sprache hinter der Sprache. Offenheit für die kulturellen Wurzeln und die Erfahrungen in der Familiengeschichte der Zuwanderer – und ganz wichtig, die Wertschätzung für diese Identität, das ist entscheidend. Wir respektieren unsere Kunden unabhängig von ihrem Geburtsort oder Reisepass. Wir sagen: Gut, dass Sie da sind! Gestalten Sie mit uns diese wunderbare Stadt. Ich bin überzeugt, nur ein Miteinander macht uns stark.
 
Raiffeisen in Wien hat immer mehr Beraterinnen und Berater, deren Familien zugewandert sind, warum?
 
Wir sind eine Bank dieser Stadt, für die Menschen in dieser Stadt. Wir wollen zeigen, dass wir die Wurzeln der Menschen ernst nehmen. Die Raiffeisenberaterin mit türkischen Wurzeln ist nicht nur für die Kunden ein Gewinn, sie bereichert auch das Team der Filiale. Das was auf den ersten Blick möglicherweise unverständlich und fremd ist, kann auf den zweiten Blick verstanden werden, wenn man miteinander redet. Wir wollen mit unseren Kunden reden, wir reden aber auch in unseren Teams über die Herausforderungen beim Thema Integration.
 
Raiffeisen ist aber kein Sozialverein, sondern ein Unternehmen – was versprechen Sie sich davon?
 
Es stimmt, wir sind nachhaltig gewinnorientiert. Aber Raiffeisen ist in Österreich auch die Marke, die sich einer besonderen Verantwortung für das Land bewusst ist. Wir leben mit den Menschen. Das heißt wir wollen eine faire und tragfähige Partnerschaft im geschäftlichen Bereich – Nutzen für beide, den Kunden und für uns – damit wir gemeinsam wachsen. Dazu gehört auch, dass wir aus der besonderen Kenntnis der Bedürfnisse unserer Kunden auch besondere Produkte entwickeln.
 
Sie meinen z.B. den Hochzeitskredit für junge türkische Paare?
 
Genau – damit eine dieser tollen Hochzeiten gefeiert werden kann, brauchen junge Paare eine schnelle und kurzfristig verfügbare Finanzierung. Hier haben wir ein Modell entwickelt. Darüber hinaus gibt es mittlerweile ein tolles Netzwerk mit Hochzeitssalons, Juwelieren und Veranstaltungssälen. Wir wissen was zu einer Hochzeit dazugehört.
 
Aber noch einmal, das Erste ist unsere offene Grundhaltung zu unseren Kunden. Die ist mir als zuständigem Vorstandsdirektor für Raiffeisen in Wien wichtig. Denn wir wollen miteinander in dieser Stadt eine gute, gemeinsame Zukunft gestalten.
 
Generaldirektor Stv. Georg Kraft-Kinz engagiert sich als Obmann des Vereines „Wirtschaft für Integration“ gemeinsam mit anderen österreichischen SpitzenmanagerInnen und UnternehmerInnen für einen positiven und offensiven Umgang mit dem Thema Integration. 
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