Volkswirtschaftliche Analyse

Darüber spricht der Markt!

Konjunkturerwartungen nach Brexit-Votum auf Talfahrt

Über die mittel- bis langfristigen ökonomischen Folgen der Entscheidung Großbritanniens, die EU zu verlassen, kann man weiter nur mutmaßen – zu viele bestimmende Faktoren sind noch unklar, die Brexit-Verhandlungen haben ja noch nicht einmal begonnen.

Am Finanzmarkt setzt sich jedoch schnell die Erwartung durch, dass der bevorstehende Brexit nicht nur die Konjunktur in UK, sondern auch jene in der Eurozone bremsen wird. Diese Erwartung spiegelt sich in den nun nach und nach zur Veröffentlichung anstehenden Stimmungsumfragen für Juli wider, deren Erhebung zur Gänze nach dem Referendum stattfand. So sind beispielsweise die ZEW-Konjunkturerwartungen (Ergebnis einer Umfrage unter Finanzmarktexperten mit historisch hoher Volatilität) für Deutschland um 26 Punkte – und damit deutlich stärker als erwartetgefallen. Der Wert für die Eurozone gab um 34,9 Punkte, jener für Großbritannien sogar um knapp 65 Punkte nach. Das sentix-Investorenvertrauen weist eine ähnliche Entwicklung auf (vgl. untenstehende Grafik).

Derartige Finanzmarktumfragen sind allerdings noch kein verlässliches Zeichen für eine schon bald deutlich schwächere Konjunktur – sentix/ZEW-Umfragen haben auch in der Vergangenheit dazu geneigt, die Auswirkungen bestimmter Ereignisse auf die Wirtschaft zu überschätzen. Einen besseren Einblick in die Realwirtschaft liefern die Unternehmensbefragungen, die demnächst veröffentlicht werden: Die Vorabschätzungen der Einkaufsmanager am 22., der deutsche ifo-Index am 25. Juli. All diese Indikatoren werden schwächer erwartet, allerdings wird der Rückgang zumindest im Einkaufsmanagerindex deutlich geringer ausfallen: Die Umfrage stellt auf harte Fakten wie die Produktion oder Auftragseingänge ab, die im Juni – und auf diesen Monat dürften sich die meisten Antworten beziehen – wohl noch kaum unter dem Brexit-Votum gelitten haben dürften. Ein gewisses Maß an Verunsicherung wird jedoch auch bei vielen Unternehmen Einzug gehalten haben.

KW29

Stand: 19.7.2016