EZB-Zinssitzung

Kommentar zur EZB-Zinssitzung vom 25. Jänner 2018

Draghi hält am eingeschlagenen Kurs fest

Das Protokoll der EZB-Ratssitzung von Mitte Dezember hatte für große Aufregung gesorgt und vermuten lassen, dass die Währungshüter schon früh in diesem Jahr die Kommunikation ihrer geldpolitischen Ausrichtung und ihres Ausblicks anpassen könnten. Draghi dementierte im Rahmen der heuteigen Pressekonferenz ganz klar diese Spekulationen. Die „Forward Guidance“ wurde heute in keinster Weise adaptiert. Ganz im Gegenteil, die Währungshüter bekräftigten sogar, die Leitzinsen würden weit über die Zeit der Anleihenkäufe hinaus auf dem aktuellen Niveau bleiben. Der Hauptrefinanzierungssatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 %. Der Einlagesatz (Strafzins für die Banken) steht bei -0,4 %. Aus heutiger Sicht gibt es Draghi zufolge nur sehr wenig Chancen auf eine Zinserhöhung in diesem Jahr.

 

Die Währungshüter bestätigen des Weiteren den QE (Quantitative Easing)-Fahrplan insofern, als dass die Anleihenkäufe noch bis mindestens Ende September 2018 fortgesetzt werden sollen. Bis dahin dürfte das Gesamtvolumen von 2,55 Bio. EUR erreicht werden. Die Verknüpfung der Transaktionen mit der Inflationsentwicklung wurde ebenfalls beibehalten. Im Notfall will die EZB ihr Kaufprogramm weiterhin hinsichtlich Umfang und/oder Dauer ausweiten. Ausreichende geldpolitische Stimuli sind weiterhin notwendig, die Anleihenkäufe, -bestände, Reinvestitionen und der Zinsausblick bieten die benötigte Unterstützung. Die konjunkturelle Dynamik stärkt die Zuversicht, dass sich die Inflation dem Zielwert nähern wird. Die Inflation wird voraussichtlich in den kommenden Monaten auf dem aktuellen Niveau bleiben, bevor sie wieder zulegt. Die Kerninflation ist gedämpft und wird erst mittelfristig graduell steigen. Der Anstieg der Nominal-Löhne ist ein ermutigendes Zeichen für die zukünftige Inflation.

Ezb Jänner

Zum Euro-Kurs meint Präsident Draghi, dass Devisenkursschwankungen einerseits eine Quelle von Unsicherheit sein könnten, andererseits sei  auch die Verbesserung der Konjunktur ein Grund für die Bewegungen. Ein weiterer Auslöser für Wechselkurs- und Zinsveränderungen ist die erhöhte Marktsensibilität für erwartete Veränderungen in den EZB-Äußerungen. Wechselkurse sind aber definitiv kein Ziel für die EZB-Politik, betont Mario Draghi. Entscheidend ist, ob die Kursbewegungen Einfluss auf die Inflationsentwicklung haben. Das Währungspaar steigt während der Pressekonferenz von 1,2418 erstmals seit Mitte Dezember 2014 auf über 1,25. DAX weitet seine Verluste aus, zuletzt -0,3 % niedriger bei 13.372 Punkten (15:01 Uhr).

Fazit:
Präsident Draghi hat es, wie von uns erwartet, mit der geldpolitischen Wende nicht besonders eilig, da sich das konjunkturelle und preisliche Umfeld seit der letzten Sitzung nicht wesentlich verändert hat. Ein großer kommunikativer Kurswechsel war nicht zu erkennen. Draghi machte vielmehr klar, dass die EZB an ihrem Kurs festhalten wird. Die schleppende Inflationsentwicklung macht weiterhin eine expansive Geldpolitik erforderlich. Die Währungshüter werden aber in den kommenden Monaten verstärkt darüber diskutieren, ob die Anleihekäufe im September eingestellt werden oder ob es mit gleichem oder einem reduziertem Volumen weitergeht.

 

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